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Peter Schulte: «Es gibt Menschen, die sind dermaßen von der Sektenhysterie aufgebracht, daß sie sich nicht trauen, einem Mitglied einer so genannten Sekte die Hand zu geben, weil sie panische Angst davor haben, daß dadurch ihre Persönlichkeit verändert wird.

Es gibt Menschen, die behaupten felsenfest, daß der Satanismus um sich greift, obwohl sie keine Beweise dafür haben, außer daß sie das von verschiedenen Menschen hörten, die es wiederum von anderen hörten. Es gibt vielfach noch Informationsunterlagen, die davon ausgehen, daß besonders Jugendliche in Krisensituation «besonders anfällig» für «Sekten» und deren «Methoden» sind. Ich habe in meiner Arbeit Menschen kennen gelernt, dessen Angehörige sich einer Neuen Religiösen Bewegung angeschlossen hatten. Gleichzeitig habe ich Sektenbeauftragte getroffen, die diesen Angehörigen stets das umstrittene Modell der Gehirnwäsche untergejubelt hatten, was zur Folge hatte, daß letztere felsenfest der Meinung waren, allein die «Sekte» wäre Schuld an der familiären Tragödie. Man könne ja nicht mehr miteinander reden, weil die Persönlichkeitsveränderung und der damit verbundene Einfluß der «Sekte» schon zu stark wären.

Wir leben in einem Medienzeitalter, wo Nachrichten und Informationen sich binnen Sekunden neu generieren und in ihrem Inhalt verändern. Allein der Rummel um den amerikanischen Schauspieler Tom Cruise als Darsteller des Oberst von Stauffenberg im Jahr 2007 in Berlin hatte eine gigantische Medienkampagne ausgelöst. Darf ein bekennender Scientologe einen Guten spielen? Darf ein Tom Cruise, der ein Anhänger der Scientology Kirche ist, einen Helden spielen, der sich Sorgen um das Deutsche Vaterland macht, weil eigentlich ist Scientology doch das Böse. Es geht in solchen Fällen nicht einfach nur um die journalistische Darstellung von Fakten. Nein, in diesem Fall wird eine Religionsgemeinschaft und dessen personale Verkörperung durch einen Prominenten einfach nur vorgeführt.

Noch interessanter ist es, wenn Sektenbeauftragte sich nicht zu blöd sind und in Talkshows auftreten um sich in Szene zu setzen. Während das Böse schon lokalisiert wurde, nämlich die «Sekte» und das dementsprechende Schicksal, nämlich die Person, die sich aus den Fängen der «Sekte» befreien konnte, vorgestellt wurde, kann es nicht schaden, sich das Beschriebene noch einmal von einem «Sektenexperten» bescheinigen zu lassen. Das gibt der Sendung einen seriösen Touch und entlastet die meisten Beteiligten, weil ja der Sektenbeauftragte schon ähnliche Fälle «zu bearbeiten» hatte. Behaftet mit dem Stigma des Bösen werden so genannte Sekten in Geheimdienstmanier ausspioniert, diskriminiert und medial hingerichtet. Dies hat zur Folge, daß diese Gemeinschaften von unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden oder sich aus Resignation selber zurückziehen und zu Recht das Böse, den Satan im gesellschaftlichen Verhalten ihnen gegenüber konkret verorten können.

Das Thema «Sekten» ist nicht neu, auch im Mittelalter sprach die Obrigkeit von ketzerischen Bewegungen und Häretikern, welche die Menschen angeblich verderben und ins Unglück stürzen. Bekanntestes Beispiel sind die Hexenverbrennungen, sie traf besonders Frauen, die ihrer Zeit weit voraus und gerade deshalb der amtierenden Amtskirche ein Dorn im Auge waren. Die weit verbreitete Frauenfeindlichkeit der Kirche tat sein Übriges dazu.

Was sich seit dem Mittelalter geändert hat, daß sind die Methoden der «Sektenbekämpfung». War es früher üblich, so genannte Ketzer einfach auf dem Scheiterhaufen bei lebendigen Leib öffentlich zu verbrennen um somit eine abschreckende Wirkung zu erzielen, so werden heute ihre Ideale und ihre Hingabe an das, was sie glauben, öffentlich in Frage gestellt und lächerlich gemacht. Daß hier die Amtkirchen besonders eifrig am Werke und maßgeblich an diesen Diffamierungskampagnen beteiligt sind, sollte jeden aufrechten Christen empören. Denn steht nicht in der Bibel, daß Gott alle Menschen gleich geschaffen hat? Und haben wir heutzutage nicht Menschenrechte, Religionsfreiheit, das Recht auf freie Religionsausübung oder gar das Recht, keinem Glauben anzugehören?»

Auch Mitglieder so genannter Sekten sind Träger von Grundrechten, wie ein Amtskollege aus einer deutschen Ministerialabteilung Peter Schulte einmal hinter vorgehaltener Hand erklärte. In unserer Gesellschaft haben offenbar nur die Mitglieder von Amtskirchen das Recht auf freie Religionsausübung…