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Michael Vogt im Gespräch mit Andreas Clauss, Novertis Stiftung, Schweizer Stiftungstreuhand.

Unsere moderne und komfortable Welt scheint perfekt zu funktionieren. Zumindest für uns Mitteleuropäer! Leider trügt auch hier der Schein, denn der vermeintliche Fortschritt kostet einen hohen Preis: eine konsumorientierte Gesellschaft mit Wachstumszwang, deren «Gott» Geld alle anderen Werte – einschließlich der immateriellen – systematisch untergräbt! So weit, so schlecht.

Abgesehen von den damit zusammenhängenden ökologischen und sozialen Problemen verkommt selbst der «Gott» Geld zu einer Illusion, fungiert der Angebetete als Bestatter der produzierten Realwirtschaft! Unser staatlich verordnetes, hemmungslos vermehrtes, verzinsliches und auf bloßem Vertrauen in Regierung und Politik durch private Banken gedecktes Papiergeldsystem erodiert mit mathematischer Präzision die gesamte Reproduktionsbasis der Gesellschaft und schafft zugleich eine Scheinwirtschaft, die man früher salopp als “Wasserkopf” bezeichnete. Daraus resultiert die Schlußfolgerung: Es ist in diesem System einträglicher, zu spekulieren als zu arbeiten! Diese Erkenntnis wiederum füttert die von Banken und Versicherungen gelenkten Wertpapiermärkte und mästet sie bis zum Bersten. Dabei fragt das «dumme Geld» nicht nach Ethik und Moral oder der Stabilität von sozialen Gefügen, sondern jagt stets zu den scheinbar lukrativsten Futterplätzen weltweit. Kritische Finanzexperten bezeichnen dieses Phänomen als Fehlallokation von Ressourcen.

Und was hat das mit dem «normalen Bürger» zu tun? Können der und seine Familie ebenso schnell in eine z.B. asiatische Wachstumsregion übersiedeln wie sein Spekulationsgeld in solchen Aktien oder Fonds? Und sein Eigenheim? Welchen Preis wird er wohl erzielen, wenn zehntausende Landsleute auf die gleiche Idee kommen? Beseitigt sein eigenes Geld gerade seinen Arbeitsplatz?

Fragen über Fragen und was sind die Folgen? Geld wird aus Geld statt aus nützlicher und kreativer Arbeit gewonnen. Der Homo sapiens wurde zum Homo economicus. So wurde der Mensch selbst zur Ware, hat damit nicht nur einen Preis, sondern auch einen Tauschwert. Er ist damit auch austauschbar. Barschaft ist besser als Nachbarschaft, Rechenschaft ist Dummheit, Fairneß ist Schwäche. Land degeneriert zur bloßen Materie und zum Produktionsfaktor. Gemeinsinn ist Unsinn. Folglich bestimmen Angst, Neid und Gier den Alltag in unserer globalisierten Spaßgesellschaft, in der die Schaufenster voll, die Lager aber leer sind – physisch, wie seelisch.

Doch es gibt Auswege, die – zum Unterschied zum großen Geld – jeder beschreiten kann.