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Der iranische Botschafter in der Schweiz, Alireza Salari, in einem Exklusivinterview mit Michael Vogt über die Kriegpolitik der USA und Israels gegenüber dem Iran.

Seit fast dreißig Jahren erzählen die westlichen immer dasselbe: Innerhalb von ein paar Jahren oder mittlerweile innerhalb weniger Monate würde der Iran über die Atombombe verfügen. Und nach fast dreißig Jahren sind diese ein oder zwei Jahre immer noch nicht vergangen. Fakt ist – und etwas anderes haben die internationalen Beobachter der IAEA-Kontrolleure für Atomenergie in der penibelsten Kontrolle, die in der Geschichte der IAEA jemals in irgendeinem Land der Welt durchgeführt worden ist, auch nicht herausgebracht: Diese Anschuldigung sind schlicht unsinnig und erlogen.

Die zweite Legende, mittels derer der Westen auf Krieg gegen den «Schurkenstaat» Iran eingeschossen werden soll, ist die Behauptung, Präsident Ahmadinedjad habe gesagt, es sei sein politisches Ziel, Israel zu zerstören. Richtig ist, daß sich Präsident Ahmadinedjad sich nämlich auf ein historisches Prinzip bezogen hat, daß Staaten, in denen eine Regierung oder andere Führungsschicht Unrecht zur Grundlage ihres Handelns macht, ist diese dazu verdammt, zu verschwinden. Das ist ein Prinzip, das man durch die gesamte Geschichte hindurch beobachten kann. Ahmadinedjad hat das Gefühl, wie viele andere auch in der Welt, daß das größte Unrecht, was zur Zeit auf dieser Erde geschieht, in dieser Region von der israelischen Regierung ausgeht. Und er ist damit nicht allein, wie die jüngste Publikation von Evelyn Hecht-Galinski, der Tochter des ehemaligen Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland «Das elfte Gebot: Israel darf alles. Klartext über Antisemitismus und Israel-Kritik» belegt, worin sie die Situation der Menschen in Gaza beschreibt und Israel als die letzte große Besatzungsmacht kritisiert, die die Palästinenser in einem riesigen Gefängnis einsperrt.

Im Unterschied zu der Kritik Ahmadinedjads an dem Besatzungsregime in Tel Aviv, die sich in keiner Weise gegen das jüdische Volk richteten, wird in den USA und Israel ganz ausdrücklich von der Ausmerzung der iranischen Nation gesprochen. Caspar Weinberger, der ehemalige US-Verteidigungsminister, sagte vor etwas mehr als zwanzig Jahren explizit, man solle die iranische Nation ausmerzen, um sich ihrer zu entledigen. Oder McCain, der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner, schlug vor: «Bomb! Bomb! Bomb Iran!»

Wenn man sich die amerikanische Geschichte ansieht, gibt es ja nicht ein Jahr, in dem die USA nicht in einen Krieg oder einen militärischen Konflikt irgendwo auf dieser Welt verwickelt war. Und Israel liegt seit seiner Gründung in Krieg oder Konflikt mit seinen Nachbarn. Iran dagegen wird als aggressives und militaristisches Land angeprangert. Schaut man sich aber mal die Geschichte des Irans der letzten hundert Jahre an, gibt es da nur zwei Kriege, und beide waren von außen aufgezwungen. Der Iran wurde während des Ersten und Zweiten Weltkrieges angegriffen und besetzt. In den letzten vierhundert Jahren hat der Iran/Persien niemals Krieg gegen einen unserer Nachbarn begonnen. Und beim Krieg des Iraks gegen den Iran marschierte Saddams Armee (mit US-Unterstützung) kilometerweit über die iranische Grenze ins Land hinein. In Wirklichkeit geht es bei der potentiellen US-Aggression gegen den Iran neben dem Öl (natürlich) um die geostrategische Bedeutung des Irans und die langfristige Behauptung der US-Weltmacht gegen Rußland und China.

Und die BRD macht sich mit der jetzt seitens der deutschen Regierung vereinbarten Lieferung von U-Booten der Dolphin-Klasse an Israel mitschuldig, denn von solchen U-Booten können nukleare Gefechtsköpfe abgeschossen werden. Mit einer solchen die aggressive und militaristische Kriegstreiberei Israels unterstützenden Politik wird Deutschland Mittäter der Kriegsverbrechen, Mittäter an einem israelischen Holocaust am iranischen Volk.

Um beim genauen Hinsehen, stellt sich heraus, daß sich in puncto Demokratie im Sinne der Herrschaft und der Berücksichtigung der Interessen des Volkes der Iran nicht zu verstecken braucht. Vierzig Tage nach dem Revolutionssieg der iranischen Revolution über das Schahregime hielte der Iran eine Volksabstimmung ab, und die ergab exakt 98,2 % für eine islamische Republik. Das System wurde also vom ganzen Volk bestätigt. Die zweite Volksabstimmung innerhalb eines Jahres wurde über die neue Verfassung der islamischen Republik des Iran abgehalten. Und wieder stimmten mehr als 90 % der Bevölkerung für diese Verfassung. Und in der letzten Wahl, die vor einigen Monaten stattfand, gab es eine Wahlbeteiligung von 64%. Von den Führern hinunter bis zum untersten Level wird alles vom Volk direkt oder indirekt gewählt. Während der letzten dreiunddreißig Jahre gab es im Iran mehr als dreißig Volksabstimmungen. Davon können sowohl die Palästinenser im israelischen Völkergefängnis nur träumen ebenso wie die Europäer, die bei allen Entscheidungen der Brüssler Bürokraten (vom Vertrag von Lissabon bis zum ESM) ebenfalls keinerlei Mitsprache haben.