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Michael Vogt im Gespräch mit Dr. h. c. Peter Lehmann über seinen Kampf gegen die Übermacht der Pharmaindustrie.

Wer sich international mit Menschenrechtsverletzungen in der Psychiatrie, mit der Psychiatriebetroffenenbewegung und mit Alternativen zur Psychiatrie beschäftigt, stößt unweigerlich auf Peter Lehmann. Die Verleihung zum Dr. h. c. bedeutet eine einzigartige Auszeichnung eines prominenten Vertreters der Betroffenenbewegung von Psychiatrisierten, der weltweit am meisten verachteten und unterdrückten Bevölkerungsgruppe – eine Anerkennung ihres berechtigten Anliegens, ihre Menschenrechte vor weiteren Verletzungen durch psychiatrische Gewalt geschützt zu sehen, als kompetente Vertreter ihrer Interessen an allen Entscheidungen zur Psychiatriepolitik beteiligt zu werden und nicht-psychiatrische Hilfen für Menschen in psychischer Not zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen.

Psychiatriebetroffene und andere, die noch nicht von Manipulationen der Pharmaindustrie völlig verblendet sind, werden durch die Nominierung angespornt werden, sich kritisch mit den Risiken und Schäden von Psychopharmaka auseinanderzusetzen wie auch mit Reformen, die lediglich einen Ausbau und die Perfektionierung psychiatrischer Gewalt darstellen.

Peter Lehmann ist der Begründer der Humanistischen Antipsychiatrie als einer undogmatischen und humanistischen Bewegung. Das griechische “Anti” bedeutet mehr als einfach nur “gegen”. Es heißt auch “alternativ”, “gegenüber” oder “unabhängig”. Freunde der Zwangspsychiatrie und Pharmaindustrie stehen deshalb der modernen, nutzergetragenen humanistischen Antipsychiatrie besonders erbittert gegenüber.

Humanistische Antipsychiatrie ist von Widerspruchsgeist und der grundle-genden Erkenntnis erfüllt, daß:

  • die Psychiatrie als naturwissenschaftliche Disziplin dem Anspruch, psychische Probleme überwiegend sozialer Natur zu lösen, nicht gerecht werden kann,
  • ihre Gewaltbereitschaft und -anwendung eine Bedrohung darstellt und
  • ihre Diagnostik den Blick auf die wirklichen Probleme des einzelnen Menschen in der Gesellschaft verstellt.

Deshalb bedeutet humanistische Antipsychiatrie, sich zu engagieren für:

  • den Aufbau angemessener und wirksamer Hilfe für Menschen in psychosozialer Not,
  • ihre rechtliche Gleichstellung mit normalen Kranken,
  • ihre Organisierung und die Zusammenarbeit mit anderen Menschen-rechts- oder Selbsthilfegruppen,
  • die Unterstützung beim selbstbestimmten Absetzen psychiatrischer Psychopharmaka und die Verwendung alternativer psychotroper, das heißt die Psyche beeinflussender, und weniger giftiger Substanzen,
  • das Verbot des Elektroschocks,
  • neue Formen des Lebens mit Verrücktheit und Andersartigkeit sowie Toleranz, Respekt und Wertschätzung von Vielfalt auf allen Ebenen des Lebens.

Bild: Wikipedia