Michael Vogt im Gespräch mit dem Agrar-Rebellen Sepp Holzer und dem Begründer der Naturwert Stiftung Robert Briechle über den Aufbruch in eine neue, bessere Zeit.

Die Holzer’sche Permakultur ist eine natürliche Form der Landwirtschaft, die auf ein Arbeiten mit den Kreisläufen und Wechselwirkungen in der Natur aufgebaut ist. Ein Wirtschaften im Einklang mit der Natur ist nicht nur ökologisch richtig, und zwar in der wirklichen Bedeutung des Wortes und nicht im Sinn irgendeines wertlosen EU-Ökozeichens, sondern es kann auch ökonomisch sehr erfolgreich sein. Sepp Holzer Maxime: «Lerne, mit der Natur zu reden, lerne sie richtig einzuschätzen: was bietet sie dir? Wer lernt zu beobachten, wird Nischen in der Produktion und in jedem Bereich der Landwirtschaft finden, die es ermöglichen davon zu leben!»

Natürliches Denken, Leben und Arbeiten ist nicht nur Basis der Bewirtschaftung, es ist eine Lebenseinstellung, die sich quer durch alle Lebensbereiche zieht und nichts ausschließt. Es geht darum, die Verantwortung für unsere Mitwelt und für alle Lebewesen anzunehmen und mit Zivilcourage für die Erhaltung einer lebenswerten Welt einzutreten! Es gilt den Entwicklungen unserer schnellebigen Zeit voraus zu sein, voraus zu denken, anstatt kritiklos allem nachzulaufen. Nochmals der Agrar-Rebell: «Frag die Natur, frage dein Land, dein Wasser, deine Tiere, ob sie sich unter deiner Lenkung wohl fühlen.»

Die Holzer’sche Permakultur beinhaltet Landschaftsgestaltung (Terrassenbau, Anlage von Hügel- und Hochbeeten, Wassergärten, Teichen, Humusrückhaltebecken, Trocken- und Feuchtbiotopen, Kleinklimazonen, etc.), Agroforstwirtschaft (Einbeziehung von Bäumen und Sträuchern in die landwirtschaftliche Nutzung), Fischerei, Wasserpflanzenzucht, Tierhaltung, Obstbau, Almwirtschaft und die Kultivierung von Alpenpflanzen und Heilkräutern. Auch der Tourismus ist nicht ausgeschlossen. Holzer’sche Permakultur beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung und Praxis – seit der Übernahme des Krameterhofes im Salzburger Lungau im Jahr 1962 entwickelt Sepp Holzer seine eigene Methode der Landbewirtschaftung ständig weiter.

Vor sieben Jahren führte Sepp Holzer im Rahmen eines Praxistages Permakultur einen 36-köpfigen Kurs über das Familienland des Biolandwirtschaft der Briechles in Unterthingau im Allgäu. Dies war die Initial-Zündung für die ganze Permakultur-Szene im Allgäu. Ein Stammtisch bildete sich und viele Projekte sprossen seither wie Pilze vom Boden.

Die drei ethischen Grundprinzipien der Permakultur:

  1. Achtsamkeit im Umgang mit der Erde und den uns geschenkten Ressourcen
  2. Achtsamer Umgang mit den Menschen. Gleiche Rechte für alle Menschen und gleiche Chancen auf Nutzung der Ressourcen für alle Menschen, Schaffung der Balance zwischen Individualität und gemeinschaftlichen Bedürfnissen.
  3. Selbstbegrenzung und Überschußverteilung bzw. Rückführung, denn unsere Erde ist nur begrenzt belastbar und regenerationsfähig, daher Begrenzung der eigenen Bedürfnisse, Wiederverwendung, Recycling.

Permakulturleitsätze

  • Langfristig statt kurzfristig
  • ethische Verpflichtung, diese Erde für unsere nachfolgenden Generationen mit all ihren Ressourcen erhalten
  • Langfristiger Erhalt von ausreichenden Erträgen bei Minimierung des Arbeitsaufwands (des Energieaufwands)
  • geringer Einsatzes an Ressourcen, Platz und Arbeitzeitaufwand
  • effiziente Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen Regenwasser, Sonnen- und Windenergie)
  • Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit
  • hoher Gewinn
  • Vielfalt statt Einfalt: Gestaltung und Bewahrung von Vielfalt in natürlich gewachsenen Ökosystemen
  • durch Artenvielfalt für Pflanzen
  • durch Artenvielfalt für Tierarten
  • Genetische Sortenvielfalt
  • für Pflanzen
  • für Tierarten
  • Ökologische Vielfalt
  • Nischenstrategie
  • Ökosysteme
  • Biotope
  • Wildniszonen
  • Kulturelle Vielfalt
  • Nutzung lokaler Besonderheiten
  • Anbautechniken, Architektur und Siedlungsbau
  • vorwiegende Nutzung vorhandener regionaler Ressourcen
  • Erhalt erfolgreich gewachsener Strukturen
  • nachhaltige Optimierung

Eng mit der Permakultur verbunden ist dabei die Familienlandsitzbewegung, die – zunächst mit einem Schwerpunkt in Rußland und ausgehend aus der sogenannten Anastasiabewegung – die Menschen wieder mit der Natur versöhnt. (Und so verbringt Sepp Holzer im Moment mehr Zeit in Rußland, um der dortigen Landsitzbewegung die nötigen agrarischen Tips zu geben.) Auch in Unterthingau lieget der Fokus auf einem aktuellen Forschungsprojekt, der Erbauung eines Familienlandsitzes und einer Familienlandsitz-Siedlung.

Ist es legitim, wenn Dutzende Millionen Hektar Boden in unserem Land nicht bewirtschaftet werden und von Unkraut überwuchert sind, während wir 60 Prozent der Lebensmittel importieren? Hinzu kommt, daß diese Lebensmittel oft qualitativ minderwertig und sogar gesundheitsschädlich sind, besonders für unsere Kinder. Die gegenwärtige Lage untergräbt nicht nur die Lebensmittelversorgung im Lande, sondern führt letztlich sogar zum Ruin der auf ihm lebenden Völker.

Denn: Bauern, die auf den Profit durch landwirtschaftliche Produkte angewiesen sind, treten in einen gegenseitigen Konkurrenzkampf. Um Gewinn zu machen, müssen sie Pestizide und Herbizide verwenden und genmanipulierte Nahrung produzieren. Auf diese Weise gefährden sie dann das Leben der Menschen ganzer Staaten.

Hier verbinden sich Permakultur und Landsitzidee. Auf jedem der Landsitze lebt eine Familie, die Lebensmittel für den eigenen Bedarf produziert sowie für die eigenen, in den Städten lebenden Verwandten. Folglich hat so eine auf dem eigenen Landsitz lebende Familie eine völlig andere Beziehung zur Erde als in der modernen Gesellschaft üblich. Der auf den Familienlandsitzen erwirtschaftete Lebensmittelüberschuß wird sich von allen anderen Produkten, die in den Geschäften der Städte angeboten werden, qualitativ deutlich abheben.