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Michael Vogt im Gespräch mit Holger Strohm über seinen 40-jährigen Kampf gegen die Gefahren der Atomenergie.

Er kennt sie alle: Mit seiner atomkritischen Mahnschrift «Friedlich in die Katastrophe» wurde Holger Strohm in den 70er Jahren einem großen Publikum bekannt. Als einer der Gründerväter der Grünen und der ökologischen Bewegung kämpft er seit 40 Jahren gegen die Kernkraft und weist auf die aktuellen und die potentiellen Gefahren eines Reaktorunfalls hin.

Viele seiner grünen Parteifreunde fielen angesichts politischer Macht um und mutierten von Atomkraftgegnern zu heimlichen oder offenen Befürwortern.

So Joschka Fischer. Einst harter Gegner von Nuklearfirmen und besitzt heute einen Beraterposten für den Energiekonzern RWE. Er selber beschreibt sein neues Aufgabengebiet mit den Worten: «Reisen, mich mit Energie- und Außenministern treffen, Hindernisse überwinden helfen». Joschka Fischer will als RWE-Berater keine Debatten mehr über Atomenergie. Umfaller und Wendehälse – keine Spezialität der DDR – säumen seinen Weg.

Holger Strohm zählt zu der wertvollen Spezies der kritischen Querdenker, die jede Gesellschaft braucht. Diese werden zwar zuweilen in Sonntagsreden gelobt, im Alltag aber als störend und realitätsfern weggedrückt. Dutzende seiner Bücher haben keinen Verleger gefunden, man hat ihn kaltgestellt, mit Berufsverboten belegt und mit Repressalien überzogen, seine Familie bedroht, so daß Holger Strohm zehn Jahre ins portugiesische Exil mußte. Sogar staatliche Mordaufträge wurden versucht. Dabei versucht Strohm doch nur, die Menschheit vor der eigenen Selbstausrottung zu bewahren.

«Mit einer Panzerfaust läßt sich jedes Atomkraftwerk zerstören.» Mit dieser banalen Erkenntnis wird deutlich, welchen Tanz auf dem Vulkan wir betreiben. Und dazu braucht es nicht erst die Katastrophe von Japan. «In Zukunft werden die Folgen der Atomenergie verheerend sein. Die Greuel eines Herrn Stalin und Hitler werden dagegen völlig verblassen», sagt Prof. Dr. Vladimir Tschernosenko, der wissenschaftlicher Leiter der Aufräumarbeiten in Tschernobyl. Und: «Die Verwendung der Atomenergie ist ein Verbrechen an der gesamten Menschheit; und Verbrecher sind die, die solche Atomreaktoren bauen, sie fördern und verteidigen und die Lüge verbreiten, daß Atomzerstörung in den Reaktoren harmlos ist», bewertet Prof. Dr. Johannes Ude, Professor für katholische Moraltheologie und enger Freund Albert Schweitzers, die Kernenergie.