Michael Vogt im Gespräch mit Gottfried Glöckner und Volker Helldorff.

Der Dipl. Landwirt Gottfried Glöckner zählte zu jenen Bauern, die zunächst von den Vorteilen des Genmais überzeugt waren und gentechnisch veränderten Mais anbaute und anschließend an seine Rinder verfütterte.

Gottfried Glöckner hat sein Engagement für die Gentechnik bitter bezahlen müssen:

Nach dem kompletten Tod aller seiner Tiere, einem jahrelangen Schadensersatzstreit mit dem Hersteller, bei dem es neben einer unzureichenden Entschädigung seiner Herde in erster Linie darum ging, daß Glöckner seinen Mund halten und sein Schicksal nicht ständig als warnendes Beispiel der Folgen von Genmais in Vorträgen präsentieren sollte. Doch der widerspenstige Landwirt ließ sich nicht mundtot machen. Was nun folgte, könnte aus einem Krimi stammen: Der eigene Anwalt legte ihn rein, und am Ende kam Glöckner ins Gefängnis, wo er aufgrund falscher Anschuldigungen mehrere Jahre einsitzen mußte. Doch er ließ sich auch dann nicht kaufen und streitet – inzwischen wieder in Freiheit in vorderster Front gegen den Einsatz von Genmais.

Worum geht es beim Genmais? Fünf Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben bisher ein Anbauverbot für den gentechnisch veränderten Mais MON810 erlassen. MON810, ein Produkt des Konzerns Monsanto, ist derzeit die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in Europa kommerziell angebaut werden darf. Seine gentechnische Veränderung besteht darin, daß in sein Erbgut ein modifiziertes Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringensis eingebaut wurde. Dieses sorgt dafür, daß in allen Teilen des Mais ein Insektengift (Bt-Gift) produziert wird. Dieses gelangt über verschiedene Wege auch in die Umwelt.

Nach Art. 23 der europäischen Freisetzungsrichtlinie 2001/18/EG können EU-Staaten den Anbau einer Gentechnik-Pflanze auf ihrem Gebiet verbieten, wenn es einen “aufgrund neuer und/oder zusätzlicher Informationen [...] oder aufgrund einer Neubewertung der vorliegenden Informationen auf der Grundlage neuer und zusätzlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse berechtigten Grund zu der Annahme [gibt, daß die Gentechnikpflanze] eine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellt.”

In Deutschland wurde bereits im April 2007 ein befristetes Verkaufsverbot in Zusammenhang mit behördlichen Auflagen für ein fallspezifisches Monitoring diskutiert. Als Begründung für diese Entscheidung wurde von Seiten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im April 2007 u.a. genannt (BVL, 2007, 1), dass sich das Gift aus dem gentechnisch veränderten Mais in der Nahrungskette anreichere und insbesondere für räuberische Insekten ein Risiko darstelle. Zudem seien bisher viele wichtige Organismen wie Fliegen, Wespen, Ameisen und Spinnen zu wenig untersucht worden. Das BVL stellte fest, dass “erst mit jüngeren Untersuchungen deutlich wurde, dass und in welchem Ausmaß das Bt-Toxin über die Pflanzen in höhere Nahrungskettenglieder gelangt”. Weiter heißt es: “Die Exposition von Nichtzielorganismen höherer Nahrungskettenglieder mit dem Bt-Toxin ist damit belegt.”
Auch wenn nach dem Anbauverbot des Genmais von Monsanto durch das Landwirtschaftsministerium in Deutschland im April 2009 die Land- und Ernährungswirtschaft erst einmal von MON810 verschont bleibt, weiß man nicht, wie lange dieses Verbot hält. Monsanto wie die EU, die die Gentechnik ohne Rücksicht auf die Verbraucher wie eine Lobby-Pressuregroup der Industrie vorantreibt, haben rechtliche Schritte bzw. Überprüfungen angekündigt.

Gottfried Glöckner und Volker Helldorf zeigen, wie man Widerstand von unten gegen die Gentechnik organisieren kann.