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Siegfried Schrotta und Georg Paulus im Gespräch mit Michael Vogt über neue Wege der Konfliktregulierung.

Systemisches Konsensieren geht nach folgendem Procedere:

  • Möglichst viele Vorschläge werden entwickelt.
  • Die Vorschläge werden von allen Beteiligten bewertet. Beim Konsensieren hat jeder Gelegenheit, seinen Widerstand auszudrücken. Beim Bewerten kann jedes Gruppenmitglied seine subjektive Ablehnung, Unzufriedenheit, Widerstände, Ängste, Bedürfnisse und Nöte gegenüber jedem einzelnen Vorschlag durch Widerstandstimmen (W-Stimmen) ausdrücken:
    0 W-Stimmen bedeutet: Ich habe keinen Einwand gegen diesen Vorschlag.
    10 W-Stimmen bedeuten: Dieser Vorschlag ist für mich unannehmbar. Zwischenwerte werden nach Gefühl vergeben.
  • Der Gruppenwiderstand wird errechnet. Für jeden Vorschlag werden die W-Stimmen zusammengezählt, die er von allen Beteiligten erhalten hat. Dies ist sein Gruppenwiderstand.
  • Der Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand kommt dem Konsens am nächsten. Er erzeugt in der Gruppe das geringste Konfliktpotential und gilt als «konsensiert».

Das Verfahren macht keinerlei Voraussetzungen über den guten Willen der Beteiligten. Da es stets einen Vorschlag mit geringstem Gruppenwiderstand gibt, ist Konsensieren nicht blockierbar, sondern liefert stets eine Lösung. Falls mehrere Vorschläge den gleichen geringsten Gruppenwiderstand erhalten, können unter diesen andere Kriterien eingesetzt werden, um zu einem eindeutigen Entscheid zu kommen.

Der konsensierte Vorschlag ist jener mit dem geringsten Gruppenwiderstand. Daraus folgt, er

  • erzeugt die geringste Unzufriedenheit in der Gruppe …
  • wird von allen gemeinsam am leichtesten angenommen …
  • kommt dem Konsens am nächsten …
  • kommt daher auch dem allgemeinen Interessenausgleich am nächsten …
  • erzeugt somit das geringste Konfliktpotential …
  • kommt daher als Problemlösung am ehesten in Frage

Es ist die Qualität eines Vorschlages in den Augen der Gesamtgruppe, die entscheidet, ob ein Vorschlag konsensiert wird oder nicht. Diese Qualität ist unabhängig von der Größe der Gruppe, welche den Vorschlag eingebracht hat. Daher haben auch Vorschläge, welche von Minderheiten oder sogar von einem Einzelnen eingebracht werden, durchaus Erfolgschancen. Stimmzahlen haben als Machtfaktor ausgedient. Dies haben wir immer wieder beobachtet.

Wer nur egoistische Interessen vertritt, wird Widerstand ernten. Daher wird auch der Gruppenwiderstand gegen seinen Vorschlag hoch sein. Da unter den Bedingungen des SK-Prinzips der Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand gesucht wird, ist so ein Vorschlag chancenlos. Machteinsatz führt beim Konsensieren also zu Erfolglosigkeit. Daher gilt das Machtparadoxon: Wer machtorientierte oder egoistische Vorschläge einbringt, wird Widerstand ernten und kann sich deswegen nicht durchsetzen. Nur wer fähig und bereit ist, in seinen Vorschlägen neben den eigenen Interessen auch die Interessen der Anderen möglichst weitgehend zu berücksichtigen, hat damit Erfolgchancen. Nicht machtstrebende Egoisten, sondern gemeinschaftlich denkende Menschen formen die Entscheidungen nach dem SK-Prinzip.

Systemisches Konsensieren ist ein Entscheidungsinstrument, ohne ein Machtinstrument zu sein. Da beim Konsensieren laut «Machtparadoxon» nur Entgegenkommen Erfolg verspricht und Menschen lernfähige Wesen sind, die sich nicht dem Frust dauernder Erfolglosigkeit aussetzen wollen, entsteht daraus eine totale Verhaltensumkehr gegenüber heute üblichen gruppenegoistischen und rücksichtslosen Verhaltensmustern.

Jeder, der mit seinen Vorschlägen erfolgreich sein will, muß schon aus eigenem Interesse bemüht sein, die Wünsche und Meinungen der anderen anzuhören und sie zu verstehen, um sie angemessen berücksichtigen zu können. Gruppen, in denen konsensiert wird, zeigen daher ein Gruppenklima des gegenseitigen Verstehen-Wollens und der Gemeinsamkeit. In diesen Gruppen verstehen die Menschen, dass es jetzt ausschließlich um eine aus Gemeinschaftssicht möglichst gute Lösung geht.

Konsensieren fördert das Gruppenklima, und zwar nicht aufgrund von moralischen Forderungen, sondern aus systemischen Gründen. Wie das Beispiel des Turnvereins zeigt, an welchem wir das Versagen der Mehrheitsabstimmung demonstriert haben, reicht auch eine einfache Mehrheit nicht, um sich beim Konsensieren durchzusetzen. Die Macht der Stimmenzahlen hat als Entscheidungsprinzip ausgedient. Statt dessen zählt die Qualität des Vorschlags aus der Sicht der ganzen Gruppe, also hinsichtlich seiner Nähe zum Konsens und somit zum größtmöglichen Interessenausgleich.

Wenn eine Gruppe mit einem Problem konfrontiert ist, so werden Lösungsvorschläge, die das Problem nicht befriedigend lösen, in der Gruppe Widerstand erregen. Vorschläge, die Widerstand erwecken, haben aber beim Konsensieren kaum Chancen auf Erfolg. Zusätzlich kann man der Beschreibung des Konsensierens wie auch des vollständigen Prozesses leicht entnehmen, daß einerseits Gesamtlösungen entwickelt werden, und andererseits nirgends Platz für Feilschen und Handeln oder die Suche nach Kompromissen gegeben ist, man also die angebotenen Gesamtlösungen nicht wieder zerstückelt oder verstümmelt. Das bedeutet, daß Entscheidungen nach dem SK-Prinzip stets vollständige Lösungen für das aktuelle Problem bringen.

Machtorientierte Menschen könnten versuchen, der eigenen Wunschlösung zum Durchbruch zu ver-helfen, indem sie dieser 0 W-Stimmen zuordnen, alle anderen Vorschläge jedoch mit je 10 W-Stimmen total ablehnen. Diese Menschen schneiden sich oft genug ins eigene Fleisch. Denn wenn ihre Wunschlösung nicht konsensiert wird, dann haben Sie mit diesem Stimmverhalten auf ihre Mit-Entscheidung verzichtet. Sie haben sich den anderen und deren Vorlieben einfach ausgeliefert, da sie mit ihrem Verhalten keine unterscheidbare Entscheidungsinformation geliefert haben.

Das waren die ehrlichen Werte: Gemüse-Laibchen schmecken den Kindern nicht. Zusätzlich gibt es Beispiele, die zeigen, daß solche Menschen nicht nur auf ihre Einflußnahme verzichten, sondern sich oft genug selbst schaden. Wir zeigen hier das Beispiel vom Familienmittagstisch. Die Eltern hatten mit ihren Kindern erstmalig konsensiert. In der ersten Tabelle sehen Sie die ehrlichen Bewertungen der Kinder, wodurch der Fitneß-Teller konsensiert worden wäre. Er wäre aus Sicht der Kinder keine schlechte Wahl gewesen: Die Tochter hat keinerlei Abneigung dagegen – er ist sogar ihr Wunsch gewesen – und der Sohn kann ihn mit nur 4 W-Stimmen auch noch recht gut akzeptieren.

Das waren die strategischen Bewertungen: Gemüse-Laibchen wurden konsensiert. Aber die Kinder haben, wie die zweite Tabelle zeigt, strategisch konsensiert und alles außer dem eigenen Wunsch total abgelehnt. Dadurch wurden die Gemüse-Laibchen konsensiert. Wie man jedoch der ersten Tabelle mit den ehrlichen Bewertungen entnehmen kann, sind die Gemüse-Laibchen das einzige Gericht, das die Kinder ÜBERHAUPT NICHT mögen. Durch ihr strategisches Konsensieren hatten die Kinder das für sie schlechteste Resultat erzielt. Seither haben die Kinder stets ehrlich bewertet.

Das System reinigt sich selbst und führt zu ehrlichem Bewerten, weil strategisches Konsensieren aufgrund der wirkenden Gesetzmäßigkeiten oft genug in den Mißerfolg führt. Dieser Effekt, nämlich daß man sich durch strategisches Konsensieren nicht nur seinen Einfluß auf die Entscheidung nimmt, sondern durchaus auch selbst schaden kann, wird im Allgemeinen sehr schnell verstanden. Dementsprechend unterbleibt strategisches Konsensieren im Weiteren und die Teilnehmer geben ehrliche Bewertungen ab.

 

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